Archiv für die Kategorie 'Poesiealbum'

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein, und nehm’ ich den in acht
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius

Das Lachen hat ein Für und Wider

Das Lachen hat ein Für und Wider:
Es bringt dir Falten an die Lider.
Doch trotzdem solltest du viel lachen,
denn es wird dich glücklich machen.

Unbekannter Autor

Vor Menschen ein Adler …

Vor Menschen ein Adler, vor Gott ein Wurm,
so stehst du fest im Lebenssturm.
Nur wer sich fühlt vor Gott ganz klein,
kann vor den Menschen mächtig sein.

Ernst Moritz Arndt

Willst du das Leben recht verstehen

Willst du das Leben recht verstehen,
musst du’s nicht nur von vorn besehen.
Von vorn betrachtet sieht ein Haus
meist besser als von hinten aus.

Wilhelm Busch

Wenn du den steilen Berg ersteigst

Wenn du den steilen Berg ersteigst,
wirst du beträchtlich ächzen,
doch wenn du den hohen Gipfel erreichst,
hörst du die Adler krächzen.

Heinrich Heine

Du fragst …

Du fragst: Was nützt die Poesie?
Sie lehrt und unterrichtet nie.
Allein, wie kannst du noch so fragen?
Du siehst an dir, wozu sie nützt:
Dem, der nicht viel Verstand besitzt,
die Wahrheit durch ein Bild zu sagen.

Christian Fürchtegott Gellert

Jeder nach seinem Sinn

Jeder nach seinem Sinn wählt seiner Freuden Ort:
der Rosenkäfer hier, und der Mistkäfer dort.

Friedrich Rückert

Des Lebens Kunst ist leicht zu lernen

Des Lebens Kunst ist leicht zu lernen und zu lehren;
du must vom Schicksal nie zu viel begehren.
Der, welchem ein bescheidenes Los genügt,
hat einen Schatz, der nie versiegt.
Dem Unersättlichen in jeglichem Genuss
wird selbst das Glück zum Überdruss.

Ludwig Bechstein

Willst du …

Willst du dich in dem Glück nicht ausgelassen freun,
im Unglück nicht unmäßig kränken,
so lern so klug wie Eulenspiegel sein:
im Unglück gern ans Glück,
im Glück ans Unglück denken.

Christian Fürchtegott Gellert

Geh mit dir selbst streng ins Gericht

Geh mit dir selbst streng ins Gericht,
und wenn’s dir nicht gelingt, von innen
die Ruh, das Glück dir zu erringen:
von außen kommt das Glück dir nicht!

Friedrich von Bodenstedt